Ich bin Florian und hab Dysklakulie.
„Ich dachte jahrelang, ich bin einfach dumm. Heute weiss ich: Mein Gehirn funktioniert anders. Und genau deshalb bin ich hier."
10 Jahre Schule ohne Diagnose
21
Jahre Erfahrung
10 Jahre Schule voller Zweifel


Ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn Zahlen sich anfühlen wie eine fremde Sprache. Ich weiss, wie es ist, sich jeden Tag zu fragen, ob man einfach nicht schlau genug ist.
Dysgalaxie ist meine Antwort darauf ein Ort, an dem du nicht mehr allein damit bist.
💜
Dyskalkulie ist nicht das Ende es ist ein anderer Anfang.


„Ich erinnere mich noch genau. 4. Klasse, 2014. Ich sass mit meiner Mutter drei Stunden lang an einer einzigen Matheaufgabe. Schriftliche Multiplikation. Für andere Kinder war das einfach. Für mich war es eine Wand. Ich verstand es einfach nicht – egal wie lange ich schaute, egal wie oft sie es mir erklärte. Am Ende dieser drei Stunden konnte ich keine einzige Aufgabe alleine lösen. Wir beide verzweifelten.
Am nächsten Morgen fragte mich mein bester Kollege auf dem Schulweg: ‚Chasch du es?' Ich schaute leer in die Luft. Sagte ‚ja, ja' – und meinte es kein bisschen so. Die Matheprüfung: eine 2,8. Ich wusste nicht was mit mir nicht stimmt. Ich schämte mich. Und ich erzählte es niemandem."
„November 2017. Ich war in der Sekundarschule und hatte ein Elterngespräch, vor dem mir schon im Voraus übel war. Ich wollte einfach nicht hingehen.
Dann sagten meine Lehrer meiner Mutter und mir, dass ich faul bin. Dass ich nicht lerne. Dass ich den Unterricht störe. Ich saß daneben und sagte, ich sei faul – weil ich wollte, dass sie aufhören. Es war eine Lüge. Ich lernte. Ich versuchte es jeden Tag. Aber es half nicht.
Am Ende des Gesprächs stuften sie mich in die Sek C ab. Keine Diskussion, keine Fragen. Einfach so.
Ich stieg mit meiner Mutter in den Bus. Kein einziges Wort kam aus mir heraus. Ich schaute ihr in die Augen – und sah einen leeren Blick. Zuhause legte ich mich ins Zimmer, drückte meinen Kopf ins Kissen und weinte. Lange. Ich fragte mich: Warum ich? Was stimmt nicht mit mir? Habe ich das alles verdient?"
10. Schuljahr. Ein neuer Lehrer – Herr Bojic. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde nicht über mich geredet, sondern mit mir. Beim Elterngespräch schauten wir uns meine Mathematikprüfungen an. Dann fiel ein Wort, das ich noch nie gehört hatte: Dyskalkulie.
Ich meldete mich im Kinderspital Zürich an. Machte Tests. Wartete. Und dann kam der 21. April – der Tag, der alles veränderte. Frau Kucian teilte ihren Bildschirm und sagte mir, dass ich Dyskalkulie habe.
In diesem Moment hörte ich auf zuzuhören. Meine Gedanken rasten. All die Jahre. All die Tränen. All die Male, wo ich dachte ich bin einfach dumm. Es hatte einen Namen. Es war nie meine Schuld.
Heute habe ich eine Lehrstelle als Dentalassistent. Heute habe ich Dysgalaxie gegründet. Nicht weil ich musste – sondern weil ich nicht will, dass du dasselbe durchmachst wie ich."
